DIE KUNST DES LEHRENS

Musik ist für mich die umfassenste Kunstform, denn sie berührt gleichermassen Geist, Herz und Körper. Vor allem der unmittelbare Ausdruck und die Emotionalität des Jazz berühren mich, seit ich diese Musik für mich entdeckte. In den großartigsten und intensivsten Momenten der Improvisation scheint es, als ob die Zeit stehenbliebe, der Raum bedeutungslos werde und Ausführende wie Zuhörer zu einer Einheit verschmelzen; dann passiert wahre Magie!

Diese magischen Momente bedingen von uns Musikern eine völlige Freiheit des musikalischen Ausdrucks und der Behandlung seiner Ausdrucksmittels. Das Erlernen und schrittweise Umsetzen der eigenen musikalischen Vorstellungen bedarf vieler Jahre härtester Arbeit und intensivster Widmung.

Wir hier in Graz am Institut für Jazz der hiesigen Kunstuniversität widmen uns schon seit Jahrzehnten dem Jazz in all seinen Spielformen und auf höchstem Niveau, was viele internationale Karrieren unserer Abgänger unterstreichen. Ich selbst habe dabei - erst als Assistant Professor, als Ensemblecoach und seit einigen Jahren nun auch als Leiter einer eigenen Klasse - festgestellt, daß es keine allgemein gültigen Konzepte beim Unterrichten gibt; jeder kommt mit seiner eigenen Geschichte, seinen eigenen Erfahrungen, Wünschen und Zielen. Was jedoch für alle gilt, ist der handwerkliche Aspekt unserer Kunst. Deshalb lege ich bei allen meinen Studenten grossen Wert darauf, daß sie ihr Handwerk verstehen und die 'Tricks of the trade' erlernen. Das beginnt bei der Atmung und dem Entwickeln eines eigenen Sounds am Instrument. Instrumentaltechnische Fingerfertigkeit, die Entwicklung eines harmonischen Verständnisses und dessen Umsetzung, sicheres Timing und nicht zuletzt die Beherrschung eines Grundrepertoires von wegweisenden Kompositionen der Jazzgeschichte - all das sind erlernbare Fähigkeiten, die die Voraussetzung schaffen für eine unmittelbare Umsetzung des Augenblicks. Jazz ist vor allem eine Kunst, die im Ensemble stattfindet - vom Duo bis zur Bigband. Spielen im kammermusikalischen wie auch im orchestralen Rahmen bedarf vieler spezieller Fähigkeiten, vom Blattlesen bis hin zum Einfügen in den Ensembleklang. Anhand des Ensemblespiels lernen wir auch verschiedenste kompositorische Konzepte und Techniken kennen, eine Grundbedingung für ein integrales improvisatorisches Konzept.

Die Wahl des jeweiligen individuellen Weges ist dabei natürlich höchst individuell und frei. Meine Aufgabe sehe ich dabei darin, im gegenseitigen Respekt und Verständnis Türen zu öffnen, die dem Lernenden weiterhelfen und Wege aufzuzeigen, die ihm vorher nicht bewusst waren. Über die Jahre hinweg konnte ich bei meinen Absolventen die unterschiedlichsten Karrieren beobachten: vom Instrumentallehrer bis hin zum preisgekrönten Instrumentalsolisten, vom kommerziell erfolgreichen Bandleader bis hin zum Studiomusiker oder zum Sounddesigner - alles ist möglich. Lebe Deinen Traum!

Wer Interesse an unseren Studiengängen hat, der informiere sich am besten einmal bei einem Besuch vor Ort. Weiterführende Informationen findet Ihr hier: www.kug.ac.at - und ich freue mich natürlich auch über Eure Kontaktaufnahme.

Pädagogische Vita:

Nach einer zweijährigen abgeschlossenen Lehre als Verlagsbuchhändler Absolvierung eines Hochschulstudiums für Jazzsaxophon mit Auszeichnung. Masterclass bei David Liebman in Stroudsburg, Pa (USA). 1988 - 92 Anstellung als Vertragslehrer am neu gegründeten Jazzinstitut des Brucknerkonservatoriums Linz (heute Privatuniversität) unter Adelhard Roidinger. 1989 erster Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst (heute Kunstuniversität) Graz (Abt.5 IGP), seit 1993 an der Jazzabteilung. 1995 - 2002 Assistenz in der Klasse O.Univ.Prof.Mag.Karlheinz Miklin. Seit 2004 Ao.Univ.Prof. und eigene Klasse. Langjähriges Mitglied der Studienkomissionen Jazz und IGP - Jazz.

Workshops und Masterclasses: Bozen (I); Helsinki (Fi), Sibelius Academy and Polytechnical University; Meran (I); Rotterdam (NL), Codarts; Salzburg (A), Landesmusikschulwerk; Tuxtla Gutierrez (Mex), UNICACH; Viktring (A), Sommerkurse.